Nach dem kleinen Köln-Desaster habe ich mir gesagt, dass meine Live-Beziehung zu Prince so nicht anfangen und mal gar nicht zu Ende gehen kann (ein Freund von mir war auch in Köln und der ist heute noch (nennen wir es mal) "not amused" weil er 100 Euro für 75 Minuten ausgegeben hat...) und bin dann doch nach Zürich - immerhin sollte es das letzte Konzert der "Welcome 2 America"-Europatournee sein und Liveauftritte (vor allem in meiner "Nähe") sind sehr selten geworden. LEIDER gab es aber nur Sitzplatz was für mich vom Genießen her schon mal ein großer Nachteil ist. Zu allem Überfluss haben Shelby (? - die Sängerin in der Band) und er dann vorne am Steg auch noch 2-3 Mal genau dort, wo ich in Köln stand, Leute abgeklatscht oder sonstwie interagiert *argh*.
Die Vorzeichen zum Konzert standen allerdings ungünstig: Genau wie in Köln wurde noch bis weit nach 18 Uhr, wo eigentlich Einlass in die Halle sein sollte, Soundcheck gemacht und ich bekam es schon mit der Angst zu tun, dass Prince wieder nicht angetan ist vom Sound und sich das dann wieder in "technische Probleme" weiterentwickelt und es dann ein Köln Reloaded gibt. Dieses Mal ging es aber "schon" um ca. 20:35 los - und dann bis 23 Uhr :).
Für mich wirklich überraschend war das Publikum, das doch zum sehr großen Teil richtig mitgemacht hat wenn es ums Klatschen, Singen oder Springen ging. Wobei Prince und co. haben quasi in jedem Song mind. eine der Betätigungen sehr überzeugend eingefordert ;), wessen dann auch schön Folge geleistet wurde. Die Meisten wissen wohl: machen wir nicht mit, hat Prince keinen Bock mehr und hört dann einfach nach 90 Minuten auf und geht nach Hause. Genauso scheint auch das Wissen, dass er Dauerfotografierer nicht wirklich schätzt und zu viele davon zur selben Handhabe führt, beim Publikum weit verbreitet zu sein, denn es gab sehr wenige Kameras. Entweder das oder die wollten wirklich alle einfach nur eine funkige Zeit haben ;).
Vom Konzert selbst bin ich in der Tat leicht geflashed von dem was die Diva aus Minneapolis da abgezogen hat! Der kleine Mann hat mit seinen 53 Jahren (er sieht wesentlich jünger und auch irgendwie richtig sexy aus) so viel Energie, das ist unglaublich.
Da wurde Musik zelebriert und gefeiert mit solch einer Hingabe, dass man meinen könnte, Prince sei erst ein Newcomer und muss sich und seine Songs erst noch beweisen. So kann man als Stehplatzkartenbesitzer auch schon fast sagen, dass man bei Prince ein "Konzert-Workout" bekommt wenn man alles mitmacht, zu was der Herr da vorne auffordert.
Sein Gitarrenspiel und die Art und Weise, wie die Songs je nach Belieben auch mal schneller oder langsamer gespielt werden, und dass er singt und tanzt wie der junge James Brown dass es eine Freude ist, sind nochmal zusätzliche Reize welche die Konzerte so interessant machen.
Ganz zu schweigen von den variierenden Setlisten! Der
Tagesanzeiger hat das sehr gut zusammen gefasst:
Man hört diese Lieder umso lieber, als er die meisten von ihnen ausspielt, statt sie in hastigen Medleys abzufertigen wie auf früheren Tourneen. (...)Dabei macht er jeden fremden Song zu seinem eigenen und führt jeden eigenen Song so auf, als habe er ihn gerade erst geschrieben. Das mag damit zu tun haben, dass Prince die Routine meidet: Über 150 Lieder hat er alleine in seinen letzten zwanzig Konzerten abgebrannt..
Zum Vergleich: U2 haben auf ihrer 360°-Tour grade mal etwas über 50 verschiedene Songs gespielt, sind aber auch eher soz. "Standard"-Setlisten-Spieler. Bruce Springsteen oder Pearl Jam, die eher wie Prince die Abwechslung lieben, spielen um die 140 und mehr verschiedene Songs - wobei bei Bruce Springsteen viele Covers noch zusätzlich hinzukommen.
Will heißen: Bei Prince sind die Konzerte im Grunde wie Wundertüten. Genauso wenig wie man den Opener sicher voraussagen kann, so kann man voraussagen, wie viele Songs er spielen wird.
Auch fast schon überrascht war ich von seiner körperlichen Fannähe wenn man so will. Der Herr hat nicht nur einmal Fans in den ersten Reihen abgeklatscht, er hat sich auch mal eine Mütze eines vor ihm tanzenden Fans aufgesetzt und zwischen/mit den Fans getanzt - einmal hat er sich glaub ich auch von einer vor ihm tanzenden Frau "inspirieren" lassen, was für einen Move er denn jetzt tanzen könnte, Respekt ;). Ich hätte ihn eher als kleinen Bazillenangsthasen oder Hygienefetischisten (nicht böse gemeint) eingeschätzt...wobei: einen Schal, den ihm ein Fan geben wollte, hat er kurz angeschnüffelt soweit ich erkennen konnte und dann dankend zurückgegeben ;).
Prince war beim Konzert in Zürich offensichtlich in einer "Greatest Hits"-Laune, was für ihn (soweit ich das beurteilen kann) fast schon eine Überraschung ist (Ich meine irgendwann während des Konzertes hat er auch mal gerufen "Let's drop this, I got too many hits!" oder sowas ähnliches lol). Auf früheren Touren z.B. hat er auch schon mal nur 3-4 der großen Hits gespielt und den Rest mit eher unbekannteren Sachen aus seinem ca. (über?) 900 Songs (!!!!) umfassenden Backkatalog gefüllt. Für die Hardcore-Fans der Himmel auf Erden, für die Gelegenheitshörer (das bin zum Großteil ich) eher ein Fragezeichenerlebnis.
Ich hatte somit unglaubliches Glück und durfte gleich zu Beginn mein persönliches Highlight erleben als mit "Gold", was ich als Lieblingsstück von ihm bezeichnen würde, das Konzert eröffnet wurde. Dieses Highlight zog sich zudem noch ca. 9 Minuten in die Länge und endete damit, dass die 12000 Leute in der Halle im Chor "Na-nananana-nanaaanaaaaa" sangen, sehr zum Entzücken von Prince! Danach ging es gleich etwas unkonventionell (meiner Meinung nach) weiter, also direkt im Anschluss mit "Purple Rain" eine Ballade kam wo Prince sich sowas von "reingesungen" hat - einfach Wahnsinn! Ganz großes Kino auch noch am Ende: Das Lied war eigentlich schon zu Ende und alle Lichter aus, dann hat Prince nochmal eindringlich alle aufgefordert, es zur Nacht ihres Lebens zu machen (oder sowas in der Art) und so solle jeder Einzelne jetzt auch mitsingen. Gefordert, getan und so ging es nochmal 2 Minuten in einem "Oooooh-oh-ooooo-ooooh"-Meer zu Gange bevor man dann wie üblich über eine kleine Intro-Rede zu "Let's Go Crazy" kam.
Ab da war es dann Party, Party, Party! mit Hits am Fließband. Buchstäblich! Die nächsten 8 Songs zählten ausnahmslos zu den großen Hits des kleinen Mannes aus Minneapolis. Vor allem bei "1999" ging es stimmungsmäßig richtig zur Sache. "Little Red Corvette" wurde zu Beginn recht langsam gespielt was dem Song generell einen anderen Touch gab wie ich finde - grandios! "Nothing Compares 2 U" hat er im Duett mit Shelby gesungen und man nahm den beiden jedes Wort ab. Das ganze hatte dann seinen emotionalen Höhepunkt als Shelby auf Knien vor Prince lag und sie sich angesungen haben.
Während "Cool" (The Time cover), einem der generellen Highlights des Konzertes, wurden dann zum ersten Mal Zuschauer aus den ersten Reihen zum Tanzen auf die Bühne geholt und Prince ließ es sich nicht nehmen, Anweisungen zu geben was denn getanzt werden solle ;) Mitten drin gab es auch noch ein sehr langes Snippet von "Don't Stop 'Til You Get Enough" *love*.
Prince ist Multiinstrumentalist, was er in Zürich mit einem sehr langen Pianomedley zeigte, bei welchem er u.a. "Diamonds And Pearls" (so toll!) und "Under The Cherry Moon" zum Besten gab.
In den Zugabenblöcken gab es noch viele weitere Hits wie "Sign O' The Times" (wurde aber nur knapp 2 Minuten angespielt), "When Doves Cry", "Kiss" natürlich, eine super Version von "If I Was Your Girlfriend", "The Beautiful Ones" (das zweite große Highlight für mich weil doch sehr überraschend) oder ein ewig langes, ultrafunkig gespieltes "Alphabet Str." inklusive Tanzeinlage seiner Gitarristin. Dazwischen gab es auch "rares" (?) wie "Empty Room" (wow!) und auch weitere Cover von The Time.
Abschluss war "Controversy" wo nochmal Fans auf die Bühne durften.
Eine komplette Liste mit den gespielten Songs gibt es
hier.
Dieses Konzert hat mich noch mehr davon überzeugt, Prince auf jeden Fall so oft es geht live zu sehen. Vielleicht kann ich irgendwann mal sagen, dass ich dann auch weitere große Faves von mir live genießen durfte. Z.B. "Free", "The Cross", "Pop Life", "Guitar", "The One You Wanna C", "Fury", "Cinnamon Girl", "Musicology", "Paisley Park", "The Most Beautiful Girl In The World", "7", "Song Of The Heart", "Baby I'm A Star", "Sometimes It Snows In April"... etc pp ;)
Noch schnell ein paar Worte zur Organisation, die war nämlich sehr gut mMn. Über Lautsprecher wurden die Fans vor dem Einlass über das Prozedere und die "Regeln" im Hause (Rucksäcke und große Taschen sind nicht erlaubt, die musste man ausnahmslos abgeben) informiert und auch als es dann länger dauerte mit dem Einlass ins die Halle innen wurde dies zeitnah über Lautsprecher bekannt gegeben. Der Sound in der Halle war auch sehr gut. Ich saß seitlich fast ganz oben und konnte mich nicht beschweren.
Video mit Impressionen (in 720p für HD):
http://www.youtube.com/watch?v=wydNyggO4PU"Must See"s:
04:19 -> 1999
10:05 -> Nothing Compares 2 U
14:36 -> Cool